Zuwachs für´s Bäckereimuseum

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Zuwachs für´s Bäckereimuseum

Nachlass des Sammlers Friedrich Fuchs hält Einzug ins das Bayerische Bäckereimuseum. Die Erben inspizieren bei einem Familienausflug die Museen im Kulmbacher Mönchshof.
Museumsleiter Bernhard Sauermann bekommt in der letzten Zeit immer häufiger Anrufe von aufgelassenen Bäckereien, die ihm verschiedene Utensilien aus ihrer Backstube anbieten. Meistens lehnt er dankend ab, denn das Bäckereimuseum ist mit allen museumspädagogisch relevanten Exponaten ausreichend ausgestattet. Seine Devise ist: „`viel hilft viel´, ist nicht das Motto unseres Museums. Es geht bei uns vielmehr darum, Exponate in´s rechte Licht zu rücken, die ein Thema oder einen Prozessablauf verdeutlichen – und das möglichst authentisch.“ In der Inszenierung der musealen Backstube in der Hofer Straße steht deshalb z. B. auch nur eine einzige und nicht 10 Waagen, weil kein Bäcker eine Waagensammlung auf seinem Tisch stehen hatte, sondern nur eine einzige, die in Gebrauch war.
Als ihn vor knapp 3 Wochen ein Anruf von Heidi Engelhard aus dem mittelfränkischen Wassertrüdingen erreichte, die ihm die umfangreiche Sammlung von Bäckereiutensilien ihres verstorbenen Onkels, des Konditormeisters Friedrich Fuchs, anbot, wollte er schon absagen: „Wohin mit den vielen Exponaten, für die wir ja die Verantwortung übernehmen. Unsere Lager sind voll – und es würden Kosten entstehen für Transport, Inventarisierung, Konservierung und gegebenenfalls Präsentation.“ Aber schließlich überzeugten ihn die zahlreichen Fotos der Sammlung und noch mehr die Begeisterung der Museums-Kuratorin Thea Hirschkorn – er sagte zu.

 

Mit Leidenschaft zusammengetragen

Die Sammlung war seine Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg hatte Friedrich Fuchs alles zusammengetragen, was mit dem Thema Backen zu tun hat. Angefangen über landwirtschaftliche Geräte, Utensilien aus der Mühle – hier allen voran zahllose Mehlsäcke sowie Gebrauchs- und Dekogegenstände aus Bäckerei und Konditorei.

Eigentlich sollte die Sammlung im Stadt-Museum in Wassertrüdingen ausgestellt werden, doch der Plan zerschlug sich – Wassertrüdingen entschied sich, ein Spezialmuseum zur Fluss- und Teichwirtschaft zu etablieren, in dem das Thema Backen keinen Platz finden konnte.

Friedrich Fuchs richtete deshalb mit seiner umfangreichen Sammlung im Dachboden seines Wohnauses sein eigenes, privates Museum ein. Als er im April diesen Jahres unerwartet verstarb, suchten seine Erben einen guten Platz für die Dinge, die ihrem Onkel ans Herz gewachsen waren. Sie wandten sich hilfesuchend an den bayerischen Landesinnungsverband, der ihnen empfahl, zum Bayerische Bäckereimuseum in Kulmbach Kontakt aufzunehmen.

Bernhard Sauermann hat die Idee, einzelne Exponate in bestehende Inszenierungen einzubauen, um diese „noch zu veredeln“. Und für andere sogar neue Präsentationsflächen zu schaffen, um vorhandene Aspekte vertiefen zu können.

Besonders angetan haben es ihm die alten Mehlsäcke: „Alte Säcke mit ihren vielen verschiedenen Aufdrucken erzählen spannende Geschichten – sie passen gut als Ergänzung in unsere Abteilung `Mühlenwesen´. Die Säcke sind gestempelt mit dem Familien- oder Hausnamen des Bauern, der sein Getreide zum Mahlen brachte, dem Ortsnamen, Jahreszahlen und Nummern sowie mitunter auch christlichen Ornamenten. Jeder Sack ist ein Unikat und seinem Besitzer zurechenbar – Verwechslung ausgeschlossen.“

Der Museumsleiter weiß weiter, dass die ältesten Jahreszahlen auf dieser Art von Säcken aus den frühen 1850er Jahren stammen: „Erst um 1850 wurden die Bauern frei – ab dann konnten sie ihr eigenes Getreide zum Müller hin- und das Mehl nach Hause bringen.“

Müller hatten in früheren Zeiten keinen guten Ruf. Man unterstellte ihnen gerne, dass sie Mahlgut unterschlugen, um ihren Profit zu steigern. Das sollten die beschrifteten Säcke und ein wachsames Auge des Bauern verhindern.

„Die alten Mehlsäcke sind heute nutzlos geworden, obwohl sie ganz lebendige Zeugen einer Tradition sind, die weder Wegwerfprodukte noch Wegwerfsäcke kannte. Zum Glück gibt es aufmerksame Zeitgenossen wie Friedrich Fuchs, die solche Zeugen der Vergangenheit wertschätzen.“

Neben vielen Erinnerungsstücken aus dem Bäckerhandwerk sammelte Friedrich Fuchs auch landwirtschaftliche Geräte und Utensilien aus dem Mühlenwesen.

Sein Beruf war sein Leben

Geboren 1957 in Wassertrüdingen machte Friedrich Fuchs nach der Hauptschule seine Lehre zum Bäcker bei der Fa. Doberer und bildete sich weiter zum Konditor beim „Kaffee Bayer“ in Dinkelsbühl – anschließend besuchte er die Meisterschule in Stuttgart.

Seine Nichte Heidi bringt sein Lebenskonzept auf folgenden Punkt: “Sein Beruf war sein Leben!“ Sie erzählt davon, das er ein sehr creativer und interessierter Mensch gewesen war, der gerne auch über den Tellerrand seines engeren Berufsstandes hinausschaute und an Koch- und Backwettbewerben sowie Ausstellungen teilnahm, bei denen er sogar die eine oder andere Medaille errang (so zum Beispiel als Erfinder des „Frankenburgers“) oder den einen wie anderen Preis gewann (darunter auch einmal eine ganze Kücheneinrichtung im Wert von 10.000 €).

Friedrich Fuchs hinterließ seiner Familie eine umfangreiche Sammlung an Bäckereiutensilien, die demnächst an das Bayerische Bäckereimuseum Kulmbach übergehen.

Ausflug ins Bäckereimuseum


Am vergangenen Sonntag nun machten sich die Erben auf den Weg zu einer Ortsbesichtigung ins Bäckereimuseum, um zuerkunden, in welche Umgebung die gesammelten Werke ihres Onkels einziehen werden.
Der Besichtigungstermin wurde bewusst auf den 11. 7. gelegt. „An diesem Tag hätte der Onkel Friedrich Geburtstag gehabt. Und er hat immer an seinem Geburtstag mit uns einen Ausflug gemacht, bei dem wir uns zusammen etwas angeschaut haben. Es bedeutet uns sehr viel, diese Tradition mit ihm fortzusetzen und gerade hierher zu kommen, wo seine geliebte Sammlung eine neue Heimat finden kann“, so Kathrin Keilwerth, Nichte und Miterbin des Nachlass Friedrich Fuchs.
Nach der Stipvisite im Bayerischen Bäckereimuseum teilte sich die Familie in zwei Gruppen und besuchte je nach Neidung auch noch das Bayerische Brauereimuseum und das Deutsche Gewürzmuseum. Höhepunkt für die Kinder Hanna, Paul und Max war der Kinderbereich des Museumspädagogischen Zentrums – da hatte es ihnen besonders die Mühle angetan.

Geschäftsführender Museumsleiter Bernhard Sauermann (im Bild rechts außen) begrüßt die Erben des verstorbenen Konditormeisters Friedrich Fuchs, die seine reichhaltige Sammlung von Bäckereiutensilien dem Bäckereimuseum im Kulmbacher Mönchshof zur Verfügung stellen wollen.

Drei bemerkenswerte Museen unter einem Dach. Auf mittelalterlichem Klostergrund, einst landwirtschaftliches Vorwerk der Mönche, dann namhafte Exportbierbrauerei, heute Lebensmittel-Kulturzentrum von internationaler Ausstrahlung. Museale Visitenkarte einer Stadt, der längst ein guter Ruf für Spitzenqualität bei Bier, Brot, Gewürzen und Fleischwaren vorauseilt. Willkommen im Mönchshof Kulmbach.