Hochkarätige Sammlung für Bayerisches Bäckereimuseum

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Das Bayerische Bäckereimuseum bekommt wieder mal Zuwachs. Museumsleiter Bernhard Sauermann hat in einem außerordentlichen Kraftakt die umfangreiche „Sammlung Friedrich Fuchs“ aus Wassertrüdigen in nur drei Tagen nach Kulmbach ins Museums-Depot geholt. Unterstützt wurde er dabei von der Museumskuratorin Thea Hirschkorn, Leonard Firak und Sigrid Daum-Sauermann.
Das Team staunte nicht schlecht über den Umfang der Sammlung – ein 2-stöckiges Einfamilienhaus von oben bis unten randvoll historischer Gegenstände, die eine neue Heimat finden sollten.

Brauchen wir das?

Für Bernhard Sauermann ist die Weiterentwicklung des Exponatebestandes der Museen im Kulmbacher Mönchshof nach wie vor ein existenzielles Muss: „Stillstand im Forschen ist für ein Museum der Anfang vom Ende. Der Kern aller Museumsarbeit ist Sammeln und Bewahren. Das Depot ist dabei das eigentliche Herzstück eines jeden Museums – Grundlage für Forschung und Dokumentation. Die ständige Ausstellung und diverse thematische Sonderausstellungen zeigen jeweils nur einen ausgewählten Teil der Exponatevielfalt, zusammengestellt nach didaktischen Gesichtspunkten – nachhaltig, informativ und selbstverständlich auch unterhaltsam – Basis für eine zeitgemäße Vermittlung kulturhistorischer Inhalte und Zusammenhänge.“

Museumsleiter Bernhard Sauermann beim Beladen des Museumsbusses. Insgesamt ca. 80 Umzugskartons, 30 Schachteln und jede Menge Sperrgut ergaben drei Fuhren mit dem Museums-VW-Bus und zwei Kleinlaster-Ladungen. Freundlicherweise hat die Schreinerei Klaus Barthels ihren IVECO für die Translotion zur Verfügung gestellt.

Inhalt der Sammlung

„Schiere Massen – das Lebenswerk eines unermüdlichen Sammlers – jedes Stück ausgewählt mit viel Sachverstand und dem untrüglichen Blick für das Besondere. Ein ausgesprochener Glücksfall für das Bäckereimuseum und ein Highlight für die Kulturarbeit rund um´s Backen und das Gebäck“, so der Museumsleiter. „Zwar können wir natürlich nicht alle Exponate in unsere Dauerausstellung übernehmen, das würde sehr schnell den gewollt übersichtlichen Rahmen sprengen, aber verschiedene Themen vertragen durchaus eine inhaltliche Vertiefung.“

Bis unters Dach war das Anwesen von Friedrich Fuchs mit Utensilien rund um´s Backen angefüllt.

Historische Mehl- und Getreidesäcke im Aufgang zum Mühlenwesen, diverse Kuchenformen in der Abteilung „Feingebäck“ und die unterschiedlichsten Plätzchenformen zum Themenbereich „jahreszeitliches Gebäck“ können zeitnah nachgerüstet werden. Aber auch Gesellen- und Meisterbriefe durch viele Jahrzehnte werden bald Einzug in die Dauerausstellung halten.


Potential für Sonderausstellungen

Kuratorin Thea Hirschkorn sieht bei den vielfältigen Preziosen vor allem ein großes Potenzial für wechselnde Sonderausstellungen: „eine der ersten Sonderausstellungen sollte auf jeden Fall den Sammler, Bäcker- und Konditormeister Friedrich Fuchs in den Mittelpunkt stellen. Er hat sein Leben lang gesammelt. Zuerst hat er alles wunderbar thematisch erfasst und geordnet, doch mit der Zeit ist ihm die Flut der Sammlungsstücke, die er offensichtlich von vielen Seiten auch zugeschickt bekam, wohl etwas über den Kopf gewachsen – aber alles in einer liebevoll seinen Schützlingen zugewandten Art und Weise.“

Kuratorin Thea Hirschkorn und Leonard Firak beim Bergen der Schätze im Anwesen Friedrich Fuchs

Wer war der edle Spender?

Friedrich Fuchs lebt nicht mehr. Er ist im vorigen Jahr im Alter von nur 63 Jahren plötzlich verstorben. Ihn hätte es sehr gefreut, dass seine Sammlung nun in das Bayerische Bäckereimuseum übernommen wird, da sind sich die Erben, seine Nichten Heidi Engelhard und Katrin Keilwerth, ganz sicher.

Von der Bayerischen Bäckerinnung hatten sie den Tipp bekommen, sich wegen einer eventuellen Übernahme der Sammlung doch an das Bayerische Bäckereimuseum in Kulmbach zu wenden. Deshalb machten sie mit ihren Familien im Sommer, just am Geburtstag des verstorbenen Onkels Friedrich, einen Besuch in Kulmbach und ließen sich von Sigrid Daum-Sauermann durch das Museum führen und begeistern. Schnell kam man überein, dass die Sammlung hier bestens aufgehoben sein würde – exakt im Sinne des Erblassers.

Der unermüdliche Sammler Friedrich Fuchs kurz vor seinem Tod
Friedrich Fuchs war ein begnadeter Bäcker und Konditor. Eine große Glasvitrine voller Silber- und Goldmedaillen und unzählige Fotos an der Wand zeigten eine überwältigende Vielfalt an Auszeichnungen, die er bei diversen Koch- und Backausstellungen, etwa bei Fachmessen wie DEHOGA und Intergastra erringen konnte. Fast sein gesamtes Berufsleben war er mit Leib und vor allem Seele für das „Café Bayer“ in Dinkelsbühl tätig, das später in „Café Extrablatt“ umfirmierte und heute „Meisers Dinkelsbühl“ heißt.

Etliche Fotos zeigen ihn mit prominenten Zeitgenossen der gastronomischen Welt bei gemeinsamen Aktionen, wie z. B. Johann Lafer und Alfons Schubeck und viele andere mehr.

Mehrwert der Übernahme der Sammlung

Bernhard Sauermann freut sich darüber, dass sich die viele Arbeit zur Sammlungserweiterung gelohnt hat: „wir hatten erst einmal ordentlich Vorarbeit zu leisten, denn wir mussten ausreichend Platz in unserem Depot schaffen. Aber wir konnten ein gut durchstrukturiertes Sammlerlebenswerk übernehmen, das bereits für sich alleine ausgereicht hätte, um ein Top-Museum einzurichten“.
Dankbar und glücklich sei er, so der Museumsleiter: „ vor allem auch deshalb, weil damit die Strahlkraft unserer Museen noch einmal erhöht wird – sicher weit über die Grenzen Kulmbachs hinaus.“

Drei bemerkenswerte Museen unter einem Dach. Auf mittelalterlichem Klostergrund, einst landwirtschaftliches Vorwerk der Mönche, dann namhafte Exportbierbrauerei, heute Lebensmittel-Kulturzentrum von internationaler Ausstrahlung. Museale Visitenkarte einer Stadt, der längst ein guter Ruf für Spitzenqualität bei Bier, Brot, Gewürzen und Fleischwaren vorauseilt. Willkommen im Mönchshof Kulmbach.