Bundesverdienstkreuz für Sigrid Daum-Sauermann

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Die Entwicklerin der Mönchshof-Museen erhält für ihren Einsatz am Lebensmittelstandort Kulmbach das Bundesverdienstkreuz

Eine etwas kürzere Zeit der Vorfreude hätte es wohl auch getan. Eigentlich sollte Sigrid Daum-Sauermann ihre große Auszeichnung schon vor vier Monaten erhalten. Wegen Corona musste der Termin damals kurzfristig abgesagt werden. Doch das lange Warten hat sich gelohnt. Die Kulmbacherin nahm am Donnerstag das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland entgegen. Verliehen wurde es von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und überreicht von der bayerischen Ernährungsministerin Michaela Kaniber.

Ministerin würdigt Engagement

Bei der feierlichen Zeremonie in München im großen Sitzungssaal des Staats-ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erhielt Sigrid Daum-Sauermann den Orden und die Urkunde. „Es war beeindruckend. Die Feier hat mir gut gefallen“, sagt die Kulmbacherin im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie es in der Mitteilung des Ministeriums heißt, würdigte Michaela Kaniber das jahrzehntelange Wirken und das Engagement der 71 Jahre alten Kulmbacherin für die Museen und den Lebensmittelstandort Kulmbach. „Mit Ihrem herausragenden Einsatz, der zu Ihrer Lebensaufgabe geworden ist, haben Sie mit den Museen im Kulmbacher Mönchshof ein strahlendes Schaufenster für die Kulmbacher und die bayerische Ernährungskultur geschaffen“, sagte die Ministerin in ihrer Laudatio. „Sie haben die Museen zu einer Visitenkarte für die Genussregion Oberfranken gemacht“, betonte Kaniber.

„Mit visionärer Kraft, viel Fleiß, fachlichem Tiefgang und einer gehörigen Portion Herzblut haben Sie dauerhafte Spuren im Kulmbacher Land hinterlassen.“

 

1.Station: Nordhalben

Sigrid Daum-Sauermann startete ihre berufliche Karriere als Diplomverwaltungswirtin. Sie wurde aber keine Beamtin, sondern übernahm die Leitung der Klöppelschule in Nordhalben. 1983 hat sie den Deutschen Klöppelverband mitgegründet und bis 1986 auch geleitet. Es ging um die Bewahrung der Tradition, als Sigrid Daum-Sauermann dabei ihr erstes Museum konzipierte, die Internationale Spitzensammlung Nordhalben. Es wurde 1985 eröffnet und erhielt danach den europäischen Museums-Award.

 

Der Mönchshof wird Museum

Nach einer Ausbildung als Rundfunkjournalistin ging Sigrid Daum-Sauermanns weiterer beruflicher Weg zur damaligen Reichelbräu, die heute Kulmbacher Brauerei heißt. 1990 erhielt sie den Auftrag zur Konzeption und zum Aufbau eines Brauereimuseums. Nach der Gründung eines Trägervereins eröffnete 1994 die erste Abteilung des Museums. Nachdem am Mönchshof in der Blaich die Brautätigkeit eingestellt worden ist, habe Daum-Sauer- mann die einmalige Chance erkannt, die leerstehenden Gebäude für ein lebendiges Museum zu nutzen, heißt es in der Laudatio. 2002 feierte das Bayerische Brauereimuseum Eröffnung. Es kamen 2008 das Bayerische Bäckereimuseum und 2015 das Deutsche Gewürzmuseum hinzu, die die weiteren wichtigen Facetten der Kulmbacher Lebensmittelbranche zeigen. „Das 2012 vollendete Museumspädagogische Zentrum trägt ebenso die Handschrift der Geehrten.“ Mit den Museen sei ein kultureller und touristischer Anziehungspunkt entstanden, der die Genussprodukte Bier, Brot und Gewürze mit ihren realen Verarbeitungsstätten zum Anfassen und Ausprobieren darstellt. Das Museumskonzept hat eine Strahlkraft für die Region entwickelt und Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Fördergeber gleichermaßen überzeugt, sagte Michaela Kaniber. Als Geschäftsführerin lenkte Sigrid Daum-Sauermann die weiteren Geschicke der Museen. „Ihr Einsatz ging zeitlich wie auch inhaltlich weit über ein übliches Arbeitsverhältnis hinaus und war mit seiner visionären Kraft und der Leuchtturmwirkung für die Region herausragend.“, sagte die Ministerin.

 

Dank an Weggefährten und Mitstreiterinnen

Sigrid Daum-Sauermann freut sich sehr über die Auszeichnung. Für sie sei die Zeit des Aufbaus der Museen harte Arbeit gewesen, die ihr aber viel Freude bereitet habe:

„Diese Leistung war allerdings nur möglichweil ich stets eine Schar von Mitstreiterinnen und Mitstreitern begeistern konnte, die voll hinter mir und meinen Ideen standen – allen voran mein Ehemann Bernhard Sauermann“, betont die Kulmbacherin. Darüber hinaus dankte sie Vorgesetzten, Fachbehörden und Ministerien, die die unterschiedlichen Projekte begleitet und gefördert haben.

 

Engagement für die oberfränkische Heimat

Die Geehrte befindet sich seit 2016 im wohlverdienten Ruhestand, bleibt aber der Kultur weiter eng verbunden. Sie ist Gründungsmitglied des Kunstvereins Kulmbach und wirkt im Kuratorium mit. Auch in der Nepalhilfe-Kulmbach engagiert sie sich seit 2017. Ebenfalls seit 2017 unterstützt die Kulmbacherin das Pilgerbüro von Marienweiher, dem größten Marienwallfahrtsort des Erzbistums Bamberg. Ihr Revitalisierungskonzept für den Wallfahrtsort wird bereits umgesetzt. Geplant ist ein Begegnungs- und Pilgerzentrum.

 Im selben Jahr hat Sigrid Daum-Sauermann die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber erhalten.

Ihr Ruhestand, das gibt Sigrid Daum-Sauermann zu, sei wohl eher ein Unruhestand. Nach wie vor ist sie sehr aktiv. So setzt sich die Kulmbacherin für die nachhaltige Erschließung der Plassenburg durch eine moderne Seilbahnanlage ein: „Für Kulmbach und die touristische Erschließung der Plassenburg wäre die Installation eines solchen Personenbeförderungsmodells ein epochaler Entwicklungsschritt für einen ebenso mutigen wie aufsehenerregenden Aufbruch in ein zukunftsorientiertes Mobilitätszeitalter“, sagt sie. „Es gibt zur Realisation des Seilbahnprojektes aus heutiger Sicht keine ernstzunehmende Alternative.“

Außerdem will Sigrid Daum-Sauermann die Runderneuerung einiger mittelalterlicher Häuser in der Kulmbacher Altstadt anpacken. Sie will weiterhin dazu beitragen, die oberfränkische Kultur zu erhalten und behutsam in die Zukunft zu entwickeln. Dabei sei sie sich bewusst: „Kultur wird sich nie rechnen, aber sie macht sich bezahlt – langfristig und nachhaltig. Und daran arbeite ich gerne mit.“ Dass das mit Herzblut geschieht, sei eine Selbstverständlichkeit.

Drei bemerkenswerte Museen unter einem Dach. Auf mittelalterlichem Klostergrund, einst landwirtschaftliches Vorwerk der Mönche, dann namhafte Exportbierbrauerei, heute Lebensmittel-Kulturzentrum von internationaler Ausstrahlung. Museale Visitenkarte einer Stadt, der längst ein guter Ruf für Spitzenqualität bei Bier, Brot, Gewürzen und Fleischwaren vorauseilt. Willkommen im Mönchshof Kulmbach.